SKILL. GLÜCK. SKILL.

Foto: WPT.com

Rainer Kempe

Kurzinfos

Geburtsdatum: 24.07.1989

Geburtsort: Berlin

Größte Erfolge

Erspieltes Gesamtpreisgeld: 21.427.720 $

Höchstes Livepreisgeld: 5.000.000 $

Beste Platzierung Global Poker Index: 1. (Juni 2019)

Gesamte Turniersiege: 17

Sportlupen-Schnellfeuer

Film – Serie

Süß – Salzig

Berge – Meer

Frühaufsteher – Nachtmensch

Selber kochen – bekocht werden

Viel Nachdenken – einfach Machen

Turniergewinn und 4x außerhalb des Geldes – 5x in den mittleren Geldrängen

Titel gemütlich zuhause feiern – Titel mit großer Party feiern

Foto: Drew Amato

Rainer Kempe über ...

Poker als Sportart:

Vielleicht gibt es noch irgendwas zwischen Sportart und Gesellschaftsspiel, Strategiespiel… Sportart ist schon ein bisschen hoch gegriffen; ich würde mich sicher nicht als Sportler beschreiben, dafür kenne ich dann zu viele Pokerspieler, deren Lebensstil nicht dem eines Leistungssportler entspricht. Aber auf der anderen Seite ist Poker in der Spitze super-kompetitiv und hat vieles, was Sport auszeichnet. Es ist belastend, das sind lange Stunden, die man da hochfokussiert bleiben muss.  Also ingesamt empfinde ich es sicher eher als Sport denn als reines Glücksspiel.

… seinen Weg zum Profi-Pokerspieler:

Generell faszinieren mich schon immer Spiele, und auch dieses hat mich dann angesprochen und schnell in seinen Bann gezogen. Relativ schnell habe ich dann einen Ehrgeiz entwickelt, immer besser und besser zu werden und an einer gewissen Stelle merkt man dann, huch, das könnte tatsächlich auch längerfristig funktionieren. Danach habe ich dann hier und da ein bisschen bisschen Glück gehabt mit den Leuten, mit denen ich mich umgeben hab und habe da eine, ja eine sehr produktive Arbeitsgemeinschaft einfach gefunden. Und dann bin ich da relativ schnell hochgekommen, was die Wettbewerbe und Rankings angeht. 

… wichtige Fähigkeiten als Pokerspieler:

Gerade das Menschenkenntnis-Ding wird natürlich gerne in Filmen hervorgehoben, aber das Spiel ist tatsächlich gerade online wahnsinnig technisch. Da geht heutzutage viel darum, einfach nachzuspielen was jetzt zum Beispiel der der Computer selber selber spielen würde. Es geht nicht mehr nur um einfache Prozentwahrscheinlichkeiten, sondern es geht darum, in jedem Schritt des Spiels ein Gefühl dafür zu haben, was man mit welcher Kombination wie oft machen sollte. Das heißt aber, man braucht auf jeden Fall ein sehr gutes mathematisch-strategisches Grundverständnis, da kommt man heutzutage glaube ich nicht mehr darum herum.  Das war vor 15, vielleicht sogar vor 10 Jahren noch ein bisschen anders, aber das Spiel entwickelt sich ja auch immer weiter. Während es heut sehr technisch ist, war es früher schon auch so, dass es ganz verschiedene Charaktere gab, weil es einfach ganz viele verschiedene Möglichkeiten gab, das Spiel zu schlagen. Das heißt, jeder Charakter hat ein paar Sachen gut gemacht und ein paar Sachen schlecht gemacht – und das hat sich dann herauskristallisiert, dass mehrere Ansätze funktionieren. Mittlerweile ist es dann doch so, dass man sich quasi auf einen Ansatz geeinigt hat und es halt so funktioniert, dass der der am nächsten an diesem Ansatz spielt, das meiste Geld macht. 

… das Reisen während des Turnier-Alltags:

Also viele von den Orten, an denen man ist, sind schon darauf angelegt, dass man diesen Hotel-Casino-Lifestyle hat. Denn weder die Hotels noch die Casinos haben ein wirkliches Interesse, dich da raus zu lassen… gerade zum Beispiel im Sommer in Las Vegas ist es echt schwierig, etwas anderes zu machen außer im Casino oder Hotelzimmer zu sein. Und das gilt auch für viele andere Gebiete, in denen Pokerturniere stattfinden.  Ob nun Monte Carlo oder ob Macau – das ist schon alles voll aufs Pokern ausgelegt. Na klar, man nimmt sich auch mal die Zeit anzuschauen, was so darum herum ist, aber für die Vielzahl unserer Reisen ist es fast ein bisschen traurig, wie wenig man von Land und Leuten sieht.  Und was man auch nicht vergessen darf, die Stopps wiederholen Sich jedes Jahr: Also man fängt immer im Januar in Melbourne an, dann kommt die Karibik und dann ist Kalifornien an der Reihe… das klingt schon alles exotisch, aber es ist immer das Gleiche und wenn man dann in Kalifornien, zum Beispiel in Sacramento sitzt im Frühling, dann ist das auch nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Man nimmt sicherlich mehr von Land und Leute mit, wenn man mit dem Rucksack durch das Land zieht und sich die Zeit dafür nimmt. Es ist nicht ganz so einfach, diese Erfahrungen passiv, on-the-schedule mitzunehmen, selbst wenn man dann sich noch 3 Tage nach dem Stop zeitnimmt, das ist halt nicht dasselbe. 

… Aberglauben beim Poker:

Also man kriegt den Aberglauben so komplett nicht raus beziehungsweise das will man ja auch gar nicht, es ist ja irgendwie ganz witzig. Natürlich gibt es auch Leute, die dann sagen  ´ja die Hand finde ich toll, deswegen spiele ich die Hand immer´, und das ist dann grenzwertig… also ich lass sowas schon immer aus meinem Entscheidungen raus, aber wenn ich beispielsweise an Tag vor dem Turnier im Fitnessstudio war und auf dem Laufband eine Playlist gehört habe, und Tag 1 war dann erfolgreich, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich an Tag 2 die gleiche Playlist auf dem gleichen Laufband nochmal laufen lasse. Ich hab zum Beispiel zuletzt über einen längeren Zeitraum gemerkt, dass wenn ich morgens Musik höre, es dann schlecht lief. Und dann habe ich morgens weniger Musik gehört, was natürlich ein bisschen dusselig ist, weil ich ja auch gerne Musik höre… aber das war dann eben so.

Wenn DU wissen möchtest… 

  • welcher Ex-Profi-Pokerspieler Rainer beeindruckt, 
  • wie lange er noch spielen will, 
  • welchen Tipp er Amateurspielern zum besser werden gibt, höre unbedingt den Podcast an!