EISKANAL. KOPFVORAUS. RASANT.

Foto: Sandro Hank, Wikimedia Commons

Tina Hermann

Kurzinfos

Geburtsdatum: 05.03.1992

Geburtsort: Ehringhausen, Hessen

Größe: 1,70 m

Verein: WSV Königssee

Größte Erfolge

4x Einzelweltmeisterin (2016, 2019, 2020, 2021)

2x Teamweltmeisterin (2015, 2016)

1x Mixed-Weltmeisterin (2021)

Gesamtweltcupsiegerin (2015/16)

11 Weltcupsiege

4x Deutsche Meisterin (2016, 2018, 2019, 2020)

Sportlupen-Schnellfeuer

Film – Serie

Süß – Salzig

Berge – Meer

Frühaufsteher – Nachtmensch

Selber kochen – bekocht werden

Viel Nachdenken – einfach Machen

Ganz knapp 2. werden – mit großem Abstand 3. werden

Titel gemütlich zuhause feiern – Titel mit großer Party feiern

Foto: Steffen Prößdorf, Wikimedia Commons

Tina Hermann über ...

die Faszination Skeleton:

Ich denke das Faszinierende ist einfach der Adrenalinkick! Du stehst eigentlich vor jedem Start immer nach oben und hast schon immer noch so ein bisschen ein Kribbeln. In Whistler hatten wir die Höchstgeschwindigkeit mit 144 km/h, und da müssen die Lenkpunkte einfach passen und man muss einfach höchstkonzentriert sein. Das Ganze ist halt sehr, sehr nervenaufreibend, und macht einfach nur brutal Spaß! Weil diese Mischung zwischen dem explosiven Start und dann das Ruhigere auf dem Schlitten finde ich das Spannende auch an unserer Sportart

… ihre Anfänge im Skiinternat:

Ich komme eigentlich ursprünglich aus Hessen, aus der Nähe von Frankfurt am Main. Ich bin dann aber schon mit 12 Jahren von zuhause weg und nach Berchtesgaden auf das Skiinternat gegangen, weil ich damals Ski Alpin schon relativ gut gemacht habe. Damals war ich auch schon im Hessen Kader, aber wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass wir einfach in die Berge müssen, um mehr trainieren zu können. Dann muss man im letzten Jahr im Schülerbereich schauen, dass man in den Kader im Jugendbereich kommt, und das ist mir leider nicht gelungen. Ehrlich gesagt war auch das letzte Schülerjahr beim Ski Alpin sehr, sehr anstrengend. Gerade für eine junge Athletin, also Ich war damals 15, war da sehr, sehr viel Druck dahinter und ich habe gemerkt, dass mir das überhaupt keinen Spaß mehr macht und ich auch selber gar nicht mehr weitermachen möchte. Über Bekannte bin ich dann zu der Sportart Skeleton gekommen und das hat mich direkt von Anfang an fasziniert! Da ich eh schon so ein bisschen eine Wilde bin, wollte ich das gerne mal ausprobieren. Das war damals im April 2007, und im Oktober 2007 lag ich dann zuerst einmal auf dem Schlitten. Und ab da stand eigentlich für mich fest, dass das genau das richtige für mich ist. Also wirklich nach der ersten Fahrt schon! Ich fand es einfach nur großartig und wollte gleich wieder eine Fahrt machen.

… die Finanzierung von Leistungssport:

Man kann auf keinen Fall alleine von dem Sport leben, man braucht wirklich Unterstützung! Also wenn man nur alleine vom Sport leben will, ist man von seiner Familie oder den Eltern abhängig. Zum Glück gibt es aber bei uns die Möglichkeit, dass wir verschiedene Behörden haben. Natürlich muss man dafür erstmal die gewisse Leistung bringen, sich dann bewerben und am Ende genommen werden. 

In meinem Fall ist das die Bundespolizei, und bin ich auch wirklich besonders stolz darauf, dass ich dahin gekommen bin und mir gefällt es da wirklich richtig gut. Natürlich gibt es auch noch andere Behörden, also manche entscheiden sich auch für die Landespolizei, und dann gibt es bei uns auch noch die Bundeswehr. Bei der Bundespolizei sind wir als Leistungssportler angestellt und machen eine 4-jährige Ausbildung. Während der Wintersaison bist du da komplett freigestellt, und das geht auch gar nicht anders, weil wir soviel unterwegs sind.

… die Trennung des deutschen Verbandes von ihrem Trainer Dirk Matschenz:

Natürlich war es erstmal ein Riesenschock für mich letztes Jahr! Da wurde mir ein bisschen die Freude [Anm. d. Red.: nach dem Weltmeistertitel von Altenberg 2020] genommen, mir hat es wirklich den Boden unter den Füßen weggerissen. Bei uns ist das nicht so wie im Fußball, dass man den Trainer einfach wechseln kann; bei uns ist der Trainer sehr, sehr entscheidend! Ich arbeite mit Dirk jetzt schon 11 Jahre zusammen und da lernt er auch meinen Körper immer besser kennen, wie er auf manches Training reagiert, aber auch wie ich auf dem Schlitten liege und mein Fahrverhalten ist. Deswegen sind wir auch immer individueller geworden was das Thema Schlittenbau angeht, und da hat er mir wirklich sehr, sehr viel geholfen.

Deswegen kann man nicht anderthalb Jahre vor Olympia einfach sagen: „Ja, deinen Trainer gibt es jetzt nicht mehr“, und deshalb war ich da sehr enttäuscht vom Verband. Es war wirklich ganz schwierig und auch bei mehreren Gesprächen im Sommer kam nie etwas raus; erst beim letzten Gespräch vor dem Winter war dann auch der Thomas Schwab mit dabei und dem bin ich da auch dankbar, dass er dann den Weg gezeigt hat, dass er mich verstehen kann und dass es die Zusammenarbeit mit Dirk geben kann. Dann wurden verschiedene Punkte festgelegt, dass ich dann zum Beispiel nicht mehr mit den Deutschen untergebracht werden kann…

Mein Wille war es so nie, und Ich möchte auch weiterhin immer Deutsche bleiben und immer für Deutschland fahren! Es steht gar nicht für mich zur Debatte, dass ich da die  Nation wechseln würde. Für mich steht aber ganz klar fest, dass ich auf jeden Fall weiterhin und immer mit dem Dirk weiterarbeiten möchte. Wir waren ja auch nicht ganz unerfolgreich… Ich bin Dirk auch sehr dankbar, dass er hinter mir gestanden hat und ganz klar gesagt hat, dass unser Weg bis zu den Olympischen Spielen weitergehen wird und uns da keiner trennen wird. Da hat er sein Wort gehalten und tut alles dafür, da bin ich ihm einfach nur dankbar!

Und, um das nochmal klarzustellen, ich sehe da keinerlei Schuld bei uns, sondern das ist einfach von anderer Seite aus, deswegen war das schon sehr enttäuschend. Der Weg war dann klar, und mir war dann auch bewusst, dass das dann für mich der einzig richtige Weg ist und wir konnten es ja auch im Nachhinein zeigen.

… besondere Rituale vor Wettkämpfen:

Also du hast schon so deine Rituale, dass du dann abends deine Tasche schon packst, aber das ist bei mir aber grundsätzlich immer gleich gepackt. Oder, dass deine Spikes schon fertig sind für den Wettkampf, die kleben wir zum Beispiel auch immer ein bisschen ab, damit die nicht kaputt gehen.

Aber bei mir ist es tatsächlich auch so, dass ich eigentlich immer die gleichen Sachen zum Wettkampf an hab – also drunter sag ich jetzt mal… also auch Richtung Unterhose.

Das muss dann immer genau getimt sein, dass sie dann am Wettkampftag noch da ist, und die wird dann sogar auch gewaschen, weil wir ja zum Beispiel bei der WM zwei Wettkampftage haben. Aber inzwischen habe ich sogar auch mehrere, man braucht ja jetzt auch mehrere, weil wir dann auch noch einen Teamwettkampf haben.

… was passieren muss, damit Skeleton in Deutschland populärer wird:

Ich denke das erste, was man ändern müsste, sind ganz klar bei uns die Fernsehzeiten. Wir sind ja meistens freitags dran, was uns schon ein bisschen traurig macht. Jetzt ist ja auch noch der Monobob dazugekommen, der jetzt auch meistens am Wochenende, oft samstags gewesen ist, und das können wir manchmal nicht so richtig verstehen. Oder, warum wir denn nicht auch mal wechseln, zum Beispiel mit dem Zweierbob der Herren, dem Zweierbob der Damen oder eben mit dem Monobob… sodass auch die mal freitags dran sind und wir dafür am Samstag oder Sonntag fahren können.

Außerdem ist es wichtig, dass die Sender uns dann natürlich auch öfter mal übertragen und dann auch mehrere Starter, und nicht nur die Zusammenfassung bringen. Weil ich denke, dass es schon sehr viele gibt, die daran interessiert sind und die das auch verfolgen. Ich denke, Skeleton ist eine sehr schöne Sportart, auch zum Zuschauen! Ich denke auch, dass die Menschen vielleicht mal öfter an die Bahn schauen und sich das anschauen sollten!

Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen, aber im Endeffekt denke ich, dass wir schon unser Bestes dafür tun. Ich denke wir waren sehr erfolgreich in den letzten Jahren, vor allen Dingen das Frauenteam. Aber auch das Männerteam in den letzten 3 Jahren, das war schon auch wahnsinnig, was die geleistet haben. So richtig weiß man dann, nicht woran es liegen soll…  

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