BOGEN. PFEIL. SCHEIBE.

Lisa Unruh spricht mit Manuel Fröhlich über die Anspannung im olympischen Goldfinale, Meditation und warum 70% ihres Sports Kopfsache sind… Jetzt Podcast anhören!

Lisa Unruh

Kurzinfos

Geburtsdatum: 12.04.1988

Geburtsort: Berlin

Größe: 1,80 m

Wohnort: Berlin

Verein: BSC BB Berlin

Beruf: Polizeiobermeisterin (Bundespolizei)

Größte Erfolge

Silbermedaille Olympia 2016 Rio de Janeiro

Goldmedaille World Games 2017 Breslau

Goldmedaille Hallen-WM: 2016

Europameisterin: 2007

Silbermedaille EM: 2008, 2014

Bronzemedaille EM: 2007, 2012, 2016

Sportlupen-Schnellfeuer

Film – Serie

Süß – Salzig

Berge – Meer

Frühaufsteher – Nachtmensch

Selber kochen – bekocht werden

Viel Nachdenken – einfach Machen

lieber ganz knapp 2. werden – mit einigem Abstand 3. werden

Titel gemütlich zuhause feiern – Titel mit großer Party feiern

Lisa Unruh über ...

… ihren Bogen:

Also der Bogen besteht an sich aus 2 Teilen, nämlich aus einem Mittelteil und den Wurfarmen, die darauf gesteckt werden sozusagen. Die Teile bestehen im Großen und Ganzen aus Aluminium und Carbon, und das sieht natürlich nicht mehr so altertümlich und traditionell aus wie zum Beispiel ein Robin-Hood-Bogen oder ein Langbogen. Bei uns ist alles hochtechnisch geworden, überall wird das Maximum rausgeholt. Wir haben sogar tatsächlich sogenannte Tuninglehrgänge, also wie Autotuning, um das Bestmögliche aus dem Bogen rauszuholen. Insgesamt ist der Bogen an sich ungefähr so groß wie ich, ich bin 1,80m groß. Dadurch, dass der Bogen aus Alu und Karbon ist, ist er gar nicht so schwer. Wir haben aber tatsächlich viele Gewichte am Bogen und zwar haben wir ja ein Zuggewicht, das bei mir ungefähr 19 Kilogramm beträgt. Und auch um die Balance zu halten hat man am Bogen ein Gewicht, das sind bei mir so um die dreieinhalb, vier Kilogramm.  

… ihren Rat für Anfänger:

Es gibt tatsächlich in ganz Deutschland viele Bogensport-Vereine. Und da gibt es wirklich immer auch einen in der Nähe, da muss man einfach nur googeln. Und ich würde sagen, es macht immer Sinn, in einen Verein zu gehen. Weil manche Leute, die kaufen sich halt auch einfach –  was ich jetzt nicht verkehrt finde, gar nicht – aber die kaufen sich einfach einen Bogen und wollen dann so ein bisschen im Garten rumballern… Da muss ich gestehen, dass es schon deutlich sinnvoller wäre, sich vorher den Bewegungsablauf mal einüben zu lassen. Also so 1,2 oder 3 Monate kann man das jetzt zu Hause im Garten schon machen, wenn man einfach keine Zeit hat, um ins Vereinstraining zu gehen. Aber da kann halt auch immer was passieren! Der Bogen ist an sich keine Waffe, aber wenn man will… könnte man auch mal zum Nachbarn, ja rüberschießen (lacht) und das will man ja auch nicht!  

… ihren Weg ins Olympiafinale:

Ich kann ja ein bisschen erzählen: Also es war grandios! Diese Olympischen Spiele waren ja meine ersten Olympischen Spiele, das war ja auch mein dritter Versuch. Also ich habe Peking versucht, ich habe London versucht, und Rio hat dann endlich für mich geklappt. Da habe ich mir halt gesagt, ich fahr jetzt zu den Olympischen Spielen und genieße jeden Moment! Weil wirklich jedes Sportlerherz schlägt im Prinzip für Olympia – das ist ja auch die große Bühne der kleinen Sportarten, wie man immer sagt.

Bei Olympia hat auch jedes Finale eine eigene Bühne, das ist im Bogensport auch nicht normal, denn normalerweise wird die Vorrunde immer zusammengeschossen. ich habe gesagt, ich nehme jeden einzelnen Moment für mich mit, ich will auf jeden Fall super schießen und mich darauf konzentrieren. Das habe ich auch gemacht und es war super toll! Als ich dann ins Halbfinale eingezogen bin, konnte ich es gar nicht glauben! Es ging an dem Tag alles so schnell, weil man wird vom Trainingsplatz abgeholt… also man hatte zwischen den Finals noch immer Training in der freien Zeit… dann bist du in der Arena, schießt, und denkst dir `oh, gewonnen, ach krass!´, dann gehst du wieder zurück zum Trainingsfeld, machst dort ein paar Schüsse, bis du wieder  abgeholt wirst. Dann habe ich im Viertelfinale gegen die Mexikanerin geschossen, und so im Rückblick war es so, dass die anderen Viertelfinals alle bis zum Schluss gingen… Wir haben ja eine maximale Anzahl von Runden, die wir pro Spiel schießen in unserem Punktesystem, und dieses Match gegen die Mexikanerin war so, so schnell vorbei!

Ich dachte mir wirklich, `Ja ja, jetzt habe ich gewonnen, oder was?! Willst du mich verarschen?!´(lacht) Ich konnte es überhaupt nicht fassen, weil wenn man halt das Halbfinale gewinnt, dann hast du eine Medaille sicher! Dann brauchst du nicht nochmal ultra kämpfen und bist vielleicht dann auf dem undankbaren 4. Platz, sondern du hast einfach schon eine Medaille. Ich muss sagen, das war so unglaublich für mich, dass dann ein Hauch von Druck raus war im Finale.

Wenn DU wissen möchtest… 

  • wie Lisa zur Meditation gekommen ist,   
  • was sie zum Thema Doping im Bogensport sagt
  • und was sie von der Diskussion um Olympiaprämien hält,  dann höre unbedingt den Podcast!